Welchen Akkuschrauber kaufe ich?
Der (unvollständige) Versuch, die immer wieder aufkommende Frage
"Ich will mir einen Akkuschrauber kaufen, nur welchen?" zu beantworten,
hat dazu geführt, daß ich meine Gedanken dazu an dieser Stelle
niedergeschrieben habe:

Hmm. Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, wo ich überhaupt
anfangen soll. Na, probieren wir's mal hier:

Die Technik
Akkus und Lader
Die Ausstattung
Bekannte Hersteller
Schlußbemerkung / Empfehlung


Worauf soll man achten?

- Die Technik:

Merke: eine Maschine mit kräftigem 9,6V-Motor kann besser sein als
eine "lahme" 18V-Maschine. Allerdings ist - wenn man bei einem
Hersteller vergleicht - eine 9,6V-Maschine natürlich weniger kräftig
als eine 14,4V-Maschine, da die Gesamtleistung bei letzterer natürlich
höher ist.
Und: ein angegebener Akkukapazitätswert (in Ah) sagt nichts über die
Kraft der Maschine aus. Die Kapazität ist nur grober Anhaltspunkt für
die "Reichweite".

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- Akkus und Lader:

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Wichtig ist deshalb bei den Markengeräten eher, auf die folgenden
Dinge zu achten (Billig-Geräte vom Sonderangebotstisch laß' ich mal weg,
weil die meist zu schwer und zu schwach sind; wer sie dennoch auspro-
bieren will, kann das ja gerne tun):


- Die Ausstattung:
  • Natürlich Schnellspannbohrfutter ohne Schlüssel (die Markenhersteller
    verbauen fast nur Jacobs oder Roehm).
  • Automatische Spindelarretierung bei Stillstand. Damit läßt sich das
    Bohrfutter mit einer Hand öffnen/schließen, was doch ungemein praktisch
    ist. Außerdem ist die mit der Hand greifbare Fläche eines Einhand-
    Schnellspannbohrfutters größer.
  • Selbstverständlich zwei Gänge. Nur so läßt sich die Kraft optimal übertragen.
  • Quickstop (=Schnellbremsfunktion) bei Loslassen des Gasgebe-Schalters.
    Damit wird gewährleistet, daß die Bohrspindel (=das Bohrfutter)
    innerhalb kürzester Zeit zum Stillstand kommt und nicht erst langwierig
    "ausrollt". Dies mindert die Verletzungsgefahr, außerdem kann man in
    schnellerer Folge Verschraubungen durchführen.
  • Akkus mit hoher Kapazität (in Ah). Je höher diese, desto länger hält der
    Akku durch ('Normal-gut' ist bei NiCd z.Zt. ca. 2Ah).
  • 15-Min.-Schnellader. Einfach das Beste, was man seinen Akkus antun kann.
  • Handlichkeit. Liegt das Gerät gut in der Hand? Kann ich es gut und
    bequem bedienen? Wenn nicht: andere Marke wählen.
  • Akkuprogramm des Herstellers. Es ist schon praktisch, wenn man ein- und
    denselben Akku (= eine Voltklasse) auch noch für die Akkulampe und die
    Säge uswusf. benutzen kann (es ist auch für den Akku besser, wenn er
    regelmäßig benutzt wird!)!
  • Brauche ich Goodies wie z.B. Impuls-Antrieb? (Ich meine Nein).
  • Brauche ich eine Bithaltemöglichkeit bei abgenommenem Bohrfutter?
    (gut für beengte Verhältnisse, ich meine Vielleicht).
  • Brauche ich Schlag-Betrieb? (Ich meine Vielleicht). Allerdings erhöht
    die Schlagfunktion das Gewicht und die Größe des Gerätes.
  • Pistolen- oder T-Bauform? T-Bauform ist heutzutage gängiger, aber auch
    die Pistolen-Bauform ist immer noch sinnvoll, wenn überwiegend nur
    gebohrt oder mit Druck verschraubt (Rigips-Platten) werden soll, also
    die Anpreßkraft dauerhaft groß sein muß. Dafür gibt's aber auch sog.
    "Schnellbauschrauber" bei einigen Herstellern. Allerdings erhöht sich
    hierdurch natürlich die Gesamtlänge Bohrer-Maschine-Hand, was u.U.
    z.B. für schmale Ikea-Schränke schon zu lang sein kann.
  • Allgemein gesagt sollte man sich vorher genau überlegen, was man
    eigentlich mit dem Gerät machen will? Beispiel:
  • Allround, auch mal Dübellöcher bohren (dafür taugen die Markengeräte
    heutzutage durchaus)? Dann 12V oder 14,4V, evtl. mit Schlag.
  • Mehr nur schrauben, aber das auch mal am PC oder anderen kleineren
    Werkstücken? 9,6V oder 12V ohne Schlag (da leichter und handlicher).

    Übrigens bin ich der Meinung, daß ein Allroundgerät im Bereich zwischen
    9,6V und 14,4V liegen sollte. Alles darüber ist zu schwer und unhandlich,
    alles darunter hat i.A. nicht genug Kraft.
    Wer den gelegentlichen Umgang mit Elektrowerkzeug gewohnt ist (vom
    Gewicht her betrachtet), kann ruhig zu einer 14,4V-Maschine greifen.
    Für die "Nur-Kopfarbeiter" unter den Lesern ist vielleicht eine
    9,6V-Maschine besser geeignet.

    Nebenbei bemerkt eignen sich Akkubohrschrauber viel besser für Schraub-
    arbeiten allgemeiner Art (wie z.B. Deckenverkleidung usw.), da die
    Gewichtsverteilung des in der Hand liegenden Gerätes erheblich besser
    als bei fast allen Netzmaschinen ist (ausgenommen vielleicht der neuen
    AEG-Ergomax-Maschine).
    Außerdem sind Akkuschrauber als Allroundgeräte, die in erster Linie zum
    Schrauben (z.B. Verschrauben von Dielen) verwendet werden, jeder (Netz-)
    Bohrmaschine überlegen:
    Netzmaschinen haben eine höhere Lastdrehzahl, und, da es sich per
    definitionem meist um Bohrmaschinen handelt, auch einen anderen
    Drehmomentverlauf. Außerdem wird bei letzteren das Drehmoment völlig
    anders gemessen (eben bei einem Bohr- und nicht bei einem Schraubvorgang),
    weshalb die angegebenen Werte so nicht untereinander vergleichbar sind.
    Beim Akkuschrauber kommt auch noch das starke Untersetzungsgetriebe mit
    in's Spiel, welche u.a. eben die hohen Kräfte, die beim Schrauben
    benötigt werden, überhaupt erst zuläßt.
    Man sollte also auf keinen Fall dem Trugschluß erliegen, daß Netzbohr-
    maschinen nur deshalb besser sind, weil sie ein Kabel haben...

  • Im Prinzip unterscheiden sich die Hersteller mittlerweile wohl mehr
    durch persönliche Vorlieben oder Abneigungen, die Qualität wird bei den
    meisten bekannten Herstellern nicht großartig unterschiedlich sein. Bei
    den Akkuschraubern werden sowieso meist Johnson (Alleinvertretung
    BRD Rögelein) oder Mabuchi-Motoren eingebaut, so daß die Kraft-
    Unterschiede bei den Standard-Modellen der diversen Hersteller
    vermutlich eher vernachlässigbar marginal sein werden. Wenn allerdings
    besonders kräftige Motoren aus eigener Entwicklung angepriesen werden
    (z.B. bei Elu/DeWalt der PM46-Motor oder bei AtlasCopco der Loktor-
    Motor), sollte man sich die Daten genauer anschauen (und vergleichen!).
    Kraft ist durch nichts zu ersetzen, es sei denn durch noch mehr Kraft;-)
    Unterschiede gibt's selbstverständlich beim Zubehörprogramm, deshalb
    sollte man sich auch dieses genau ansehen, falls man sich wegen der
    Akku-Austauschbarkeit auf einen Hersteller festlegen will.

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    Bekannte Hersteller von Akkuschraubern:


    Elu/DeWalt, Black und Decker:


    AEG, AtlasCopco (und in den USA z.B. Milwaukee):


    Bosch, Skil:


    Metabo:


    Hilti:


    Fein:


    Festo:


    Makita:


    Kress:


    Flex:


    Sonstige:

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    - Schlußbemerkung / Empfehlung:


    Man sollte, wenn man schon Geräte hat, recherchieren, ob alte Akkus der
    gleichen Marke in neuen Ladegeräten ladbar sind. Dies ist z.B. meines
    Wissens nach bei Elu/DeWalt, Metabo und Makita der Fall, bei Bosch mit
    (zusätzlich zu erwerbendem) Adapter.
    Ebenso sollte man ein Auge auf den Lieferumfang werfen, der ist beileibe
    nicht überall gleich (Koffer ja/nein?, 2. Akku vorhanden?, welche
    Qualität hat das mitgelieferte Ladegerät?).

    Ich persönlich bin mit meinen Akkuwerkzeugen von Elu (jetzt DeWalt)
    äußerst zufrieden. Die Qualität ist excellent, ebenso wie die
    Verarbeitung. Fragen, egal ob technisch oder produktspezifisch, wurden
    bisher professionell und ohne viel "Umhervermittlerei" beantwortet (ich
    bin weder mit Elu/DeWalt verwandt oder sonstwie verbunden noch bekomme
    ich irgendeine Art von Gratifikation für diese Äußerung. Ich bin "nur"
    zufriedener Anwender von Produkten dieser Marke).


    Für den ambitionierten Heimwerker empfiehlt sich IMHO folgende Kombination:

    - ein Marken-Akkuschrauber (!) im Bereich 12V bis 14,4V. Bei Herstellern
    mit verschiedenen Baureihen würde ich etwas mehr investieren und ein
    Gerät aus der Profi-Serie wählen!
    - Dazu (falls die gewählte Maschine keine Schlagfunktion hat) für Bohr-
    löcher in Stein Mehrzweckbohrer, z.B. HAWERA-Karat. Damit bohrt
    man drehend (ohne Schlag) in Stein.
    Zusätzlicher Nutzen: die Löcher werden exakter!
    - Als Ergänzung, wenn viele Löcher in sehr harten Ziegel oder Beton oder
    z.B. große Dosenlöcher gebohrt werden sollen, ein (preiswerter) pneu-
    matischer Bohrhammer!
    Damit hat man dann eigentlich alle Anwendungsfälle abgedeckt. Um den
    Akku häufigstmöglich zu nutzen, würde ich mir noch die passende
    Akkulampe kaufen.

    Ergänzende Information von mir:
    Wie behandle ich den Akku richtig? und Märchen Memory-Effekt

    Und, ganz neu, ein Vergleichstest der leichten Schrauber
    DeWALT DW926, DeWALT DW920 und Metabo PowerGrip!

    Derjenige, fü den diese Information schon zu spät kommt,
    kann ja mal Akku-Fit ausprobieren.
    Ich habe diese Möglichkeit des Zellenaustauschens selbst noch nicht in
    Anspruch genommen, habe sie aber auf einer Messe ausgiebig in Augen-
    schein genommen und halte das System für gut. Die Zellen werden - wie
    beim Original - mittels Zellenverbinder punktverschweißt und nicht
    verlötet, so daß die Übergangswiderstände und die Stabilität der
    Verbinder in etwa denen der alten Zellen entsprechen dürften. Somit
    erhält man neue Zellen im alten Gehäuse, was günstiger als ein komplett
    neuer Akkupack ausfallen dürfte. Das lohnt sich natürlich nur, wenn der
    alte Akkupack mechanisch noch o.k. ist und/oder Ersatz nicht mehr
    beschaffbar ist.


    Alles hier Genannte erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf
    Vollständigkeit und spiegelt nur meine ganz persönliche Meinung wieder,
    welche auf meinem Wissen und meiner Erfahrung beruht, demnach also
    auch nicht "das Maß der Dinge" darstellt!
    Gesagt sei als Letztes nur noch: ich persönlich würde von den Baumarkt-
    und Aldi-Billigangeboten die Finger lassen. Lieber etwas mehr ausgeben
    und dafür schon was handfestes...

    Die FAQ der Newsgroup de.rec.heimwerken. Ein Muß für Heimwerker!
    Meine Werkzeug-Seite mit interessanten und wichtigen Links.
    Werkzeug-news.de, ein kommerzielles (aber gutes) Werkzeug-Portal.

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    Dank für anregende Diskussionen und Tips an: Andrea Glatthor, Frank Jäkel und Andreas Bulkens.

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