FRIDTJOF-NANSEN-REALSCHULE CASTROP-RAUXEL

 

 

Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2015

Das Baby-Projekt

Die Pädagogik- AG sorgte vom 13. Dezember bis zum 15. Dezember 2007 für Aufsehen. Alle Schüler von Frau Zentgrafs AG liefen mit blauen und gelben Turnbeuteln, mit Babysafes und mit lebensecht wirkenden Säuglingspuppen über den Schulhof. Anfangs war es nur eine Idee, die belächelt wurde, Babypuppen wie in den USA zu betreuen, bis im Internet die Organisation Welle.ev gefunden wurde. 

Die 750 € erschreckten zuerst die sofort begeisterten Schüler, die das „Baby Projekt“ unbedingt mitmachen wollten, aber durch Kuchenverkäufe und Sponsorengelder wurde die Summe schnell erreicht. Am Mittwoch trafen sich alle zusammen im Forum, und wurden mit den Leitern, Kathrin Schinski und Egon Heinze, bekannt gemacht. Der erste Projekttag beschäftigte sich mit den eigenen Lebensplanungen, Vorstellungen, Wünschen und Visionen im Bezug auf Kinder, Beziehung und Arbeit. Der zweite Projekttag beschäftigte sich mit der Beobachtung des eigenen Verhaltens und der Einschätzung, wie man selbst mit Stresssituationen umgeht. Der dritte Projekttag beschäftigte sich mit der Frage, was ein Neugeborenes alles braucht und wie viel eigentlich eine Erstausstattung kostet. Drei Tage bis 17 Uhr in der Schule zu bleiben ist gewöhnungsbedürftig, aber dennoch nötig, da nicht nur die Beschäftigung mit den Säuglingspuppen im Vordergrund steht, sondern auch die Frage, wie sich das Leben verändert im Falle des Eltern-Werdens. Aber natürlich stand für uns Schüler nicht der theoretische Teil im Vordergrund, sondern wir wollten erleben, wie es ist, die computeranimierten Simulations- Säuglingspuppen rund um die Uhr zu versorgen. 

Wie echte Säuglinge müssen sie gefüttert und gewickelt werden, müssen aufstoßen, wollen getröstet oder einfach nur im Arm gehalten werden. Die Mütter und ein Vater wurden mit vielen neuen Dingen konfrontiert, über die sie sich vorher keine Gedanken gemacht haben. Wie wird man behandelt, wenn man ein scheinbar minderjähriger, allein erziehender Elternteil ist?

 Die Schüler wurden von Passanten und Leuten im Bus komisch angeguckt, vor allem den verdutzen und empörten Senioren musste man erklären, dass es sich nur um ein Schulprojekt handle und der „Säugling“ nur eine computeranimierte Puppe sei. Am meisten hatten sich wohl alle auf den Unterricht gefreut, genauso wie die meisten Lehrer, die sich teilweise schon freuten, solch ein Simulationsbaby einmal zu erleben, die Freude klang aber schnell ab, wenn 4 Säuglinge abwechselnd im Unterricht schrieen, egal ob Sport- oder Kunstunterricht. 

Wer die computeranimierte Simulations- Säuglingspuppe aber wie irgendeine Puppe behandelte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Viele unterschiedliche Sensoren, verteilt auf die ganze Puppe, ermöglichten das reale Verhalten eines Säuglings, zum Beispiel bei Vernachlässigung. 

 

Das Köpfchen wurde die gesamte Zeit gestützt, sonst wurde durch die Kopfsensoren ein 2 Minuten anhaltendes Schreien ausgelöst, das nicht zu beruhigen ist. Dagegen war das Füttern des Babys einfacher, die Flasche musste an den Mund- Sensor gehalten werden, bis das Kind einen glücklichen Laut von sich gab und somit satt war. 

Anschließend musste dem Säugling meistens die Windel gewechselt werden oder es musste mit Rückenklopfen zum Bäuerchen gebracht werden.  

Aber das hört sich einfacher an, als es ist, wenn das Baby langsam erst mit quengelnden Geräuschen, dann aus vollem Halse schreiend auf sich aufmerksam macht und man, um es zu beruhigen, erst einmal alle 5 Versorgungen durchprobieren muss, innerhalb von 2 Minuten. Das hört nicht in der Nacht auf, sondern dauert rund um die Uhr an.

Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit unseren Leistungen. Auch wenn wir zuerst etwas schockiert darüber waren, dass auf den ID- Sensoren wirklich alles verzeichnet worden war, jede Versorgung und jedes Versäumnis, ebenso wie jede rüde Behandlung. Die erste Auswertung war zunächst erschreckend, aber umso freudiger am nächsten Tag der Erfolg, es fehlerfrei bestanden zu haben.

Alles in allem sind alle begeistert von diesem Projekt und empfehlen es auf jeden Fall weiter! 

Jenna Märker, 10a

© Fotos (4): Jenna Märker / FNR

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